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Okt 01 2017

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Was ist „Wurst“? ProVeg und Lebensmittelhersteller fordern DLMBK zum Umdenken auf

ProVegund zahlreiche Lebensmittelhersteller haben eine gemeinsame Stellungnahme bei der Deutschen Lebensmittelbuch-Kommission (DLMBK) eingereicht: Diese hatte einen Leitsatzentwurf mit zahlreichen Neuregelungen bezüglich zulässiger Produktbezeichnungen von Fleischalternativen zur Verbändeanhörung freigegeben. Die Inhalte sorgen für Kritik.

Der Entwurf der DLMBK sieht vor, dass allgemeine Begriffe wie „Wurst“ und „Frikadelle“ auch weiterhin uneingeschränkt für vegane und vegetarische Alternativprodukte genutzt werden können. Andere Begriffe, die beispielsweise Fleischteilstücke beschreiben, wie „Filet“ oder „Schinken“, oder Anlehnungen an Tierarten, zum Beispiel „Hühnchen“ oder „Rind“, sind hingegen nicht vorgesehen.

Spezielle Bezeichnungen wie „Salami“ sollen nach Meinung der DLMBK nur über sprachliche Umwege wie „vegane Tofu-Wurst nach Salami-Art“ zulässig sein. Die beim Bundesernährungsministerium angesiedelte Deutsche Lebensmittelbuch-Kommission beschreibt in ihren Leitsätzen die Beschaffenheit von Lebensmitteln und deren Aufmachung. Das Lebensmittelbuch ist eine wichtige Orientierung für die Lebensmittelbranche und die Rechtsprechung in lebensmittelrechtlichen Fragen.

Greift der Entwurf greift unnötig stark und in das Marktsegment ein?

Till Strecker, Leitung ProVeg-Politik: „Attraktive und informative Produktbezeichnungen sind gleichermaßen wichtig für Hersteller und Verbraucher. Es gibt mit der Benennung von Fleischalternativen keine Probleme in der Praxis, denen ein Leitsatz in dieser Form begegnen müsste, insbesondere auch keine Empirie, die Hinweise auf eventuelle Verbrauchertäuschung liefern würde.“

Weitere Kritikpunkte seien die „mangelhafte Klarheit und Handhabbarkeit des Leitsatzentwurfes, da die vorgeschlagenen Regelungen komplex, schwer verständlich und teils sehr vage gehalten“ seien. ProVe kritisiert die nicht nachvollziehbare Kategorisierung der verschiedenen Produkte:

„Die Unterscheidung ist willkürlich, die zugrunde liegende Logik nicht sinnvoll“, so Strecker. Die vorgeschlagenen Regelungen führen zu deutlich komplizierteren und längeren Produktbezeichnungen. Strecker dazu: „Es stellt sich die Frage, was der Mehrwert von Neuregelungen ist, die Verschlechterungen für Verbraucher und Hersteller bedeuten und von diesen gleichermaßen abgelehnt werden.“

ProVeg und die unterzeichnenden Unternehmen fordern einen grundlegend anderen als den von der DLMBK gewählten Ansatz. Das Ergebnis müsse die eindeutige rechtliche Klarstellung der Zulässigkeit von „Fleischbegriffen“ für pflanzliche Fleischalternativen sein.

Im Sinne des Antrags von ProVeg an die DLMBK sollte Voraussetzung für die Zulässigkeit sein, dass die Produkte eine hinreichende Ähnlichkeit mit den namensgebenden Fleischerzeugnissen aufweisen und die vegetarische Eigenschaft der Produkte in ausreichender Deutlichkeit kommuniziert wird.

„Es sollte die Chance genutzt werden, klare Regeln zu entwickeln, die den Verbrauchern weiterhin informierte und selbstbestimmte Kaufentscheidungen ermöglichen sowie Herstellern und Händlern Rechtssicherheit bieten.“

ProVeg (ehemals VEBU) ist die weltweit erste international tätige Ernährungsorganisation, die sich für die pflanzliche Lebensweise einsetzt. ProVeg verfolgt das Ziel, den weltweiten Tierkonsum bis 2040 um 50 Prozent zu verringern.

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