Sortenvielfalt und regionale Arten: Handel für Biodiversifität im Regal

Alte Gemüsesorten sind frühere Landsorten und optimal an geographische, klimatische und auch kulturelle Bedingungen angepasst. Doch sie sindin Gefahr. Denn sie wurden in den vergangenen Jahrzehnten immer weiter verdrängt von gezüchteten Hochleistungssorten.
In Zusammenarbeit mit der gemeinnützigen Stiftung ProSpecieRara, die sich für die Bewahrung gefährdeter Kulturpflanzen und den Erhalt biologischer Vielfalt einsetzt, erweitert Alnatura das Gemüsesortiment um bedrohte Arten.
Zehn Konzerne beherrschen den Saatgut-Markt
Rund 90 Prozent der traditionellen Gemüsesorten sind laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) seit dem 20. Jahrhundert in Deutschland verloren gegangen und durch wenige Hochleistungssorten ersetzt worden. Einheitliches Gemüse ist eine Folge der Marktkonzentration.
Über 70 Prozent des weltweiten kommerziellen Saatgutmarktes werden von nur zehn Agrarkonzernen beherrscht. Immer wieder werden neue Sprten paptentiert, so hatte Syngenta das Patent beispielsweise auf eine Paprikasorte angemeldet, wie FOODWELT berichtet hatte. Fakt ist: Die Konzerne beschränken sich auf lukrative und zum Teil auch gentechnisch veränderte Sorten. Ein großer Teil des konventionellen Saatguts bringt nur noch „Einwegpflanzen“ aus sogenannten Hybriden hervor. Sie sind auf optische Merkmale getrimmt, Widerstandskraft gegen Schädlinge bleibt auf der Strecke.
Ohne Chemie stabile Erträge
Weil Hybride sich nicht für die Nachzucht eignen, müssen die Bauern nach jeder Ernte neues Saatgut kaufen und geraten so in eine weitere Abhängigkeit. Anders bei samenfesten Sorten, denn aus ihnen kann immer wieder neues Saatgut gewonnen und auf den Feldern ausgesät werden. Samenfestes Bio-Saatgut bringt Gemüse und Getreide hervor, das den Bedingungen des Öko-Landbaus entspricht: robuste Sorten, die auch ohne den Einsatz von Chemie stabile Erträge bringen und Widerstandsfähigkeit gegen Schädlinge und Krankheiten bieten. Ökologisches Saatgut ist außerdem dem Standort und jeweiligen Klima angepasst. Die jetzt von Alnatura angebotenen alten Gemüsesorten sind samenfest.
Freuen dürfen sich Biomarkt-Shopper, die bei Alnatura demnächste diese Arten wieedretdecken können:
  • Aubergine „Rotonda bianca sfumata di rosa“: Die „runde weiß-rosa Verschwommene“ aus Italien wird heute noch in mediterranen Ländern auf Märkten angeboten. Die hellvioletten, mit weißen Streifen versehenen Früchte sind leicht tropfenförmig, im Geschmack cremig-mild.
  • Kartoffel „Blaue St. Galler“: Form und Farbe der langovalen Knollen sind sehr auffallend. Die Kartoffel behält ihre intensive blaue Färbung auch beim Kochen und Frittieren.
  • Zucchini „Tondo di Piacenza“: Die „Runde“ ist eine traditionelle italienische Sorte mit kugelförmiger Frucht. Auch größer gewachsene Exemplare bleiben zart und geschmackvoll, ideal zum Füllen.
  • Kohlrabi „Blaro“: Die Knollen haben eine rötlich blauviolette Schale. Auch größere Kohlrabi sind zart und nicht holzig, der Geschmack ist ausgewogen.
  • Tomate „Auriga“: Eine orangefarben leuchtende Tomatensorte mit aromatischem Geschmack und zartem Fruchtfleisch.
Bio-Landwirte aus verschiedenen Regionen Deutschlands kultivieren diese Gemüse-Raritäten und beliefern alle Alnatura Filialen über regionale Bio-Großhändler. Alnatura bietet die alten Sorten bis Ende Oktober. Bernhard Sauer, Bereichsverantwortlicher Einkauf zu FOODWELT: „Wir informieren unsere Kunden direkt an der Gemüsetheke über diese Spezialitäten. Das Interesse ist sehr groß.“
Samenfestes Bio-Saatgut bringt Gemüse und Getreide hervor, das den Bedingungen des Öko-Landbaus entspricht