«

»

Nov 20 2017

Beitrag drucken

Slow Food startet internationale Kampagne zu Klimawandel und Ernährung

Vom internationalen Slow-Food-Kongress in China ruft Slow Food sein internationales Netzwerk zum Engagement auf: „Wir müssen das Lebensmittelsystem ändern, um den Klimawandel abzumildern,“ so Slow-Food-Gründer Carlo Petrini. Im Kontext von Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion sei Klimaveränderungen ein zentrales Problem. Deshalb stelle Slow Food das Thema ins Zentrum seiner Arbeit und werde sich im Zuge der Kampagne „Menu for Change – mit Genuss und Verantwortung gegen den Klimawandel“ über einen Zeitraum von drei Monaten hinweg verstärkt mit dem  Thema Klimawandel und Ernährung auseinandersetzen.

Slow-Food-Gründer Carlo Petrini:

 

„Es geht uns alle an: Der Klimawandel ist eine Krise, die eine gemeinsame Anstrengung der Menschen erfordert – jede unserer Entscheidungen ist wichtig, denn der Motor des Wandels ist die Summe unserer individuellen Handlungen,“ betont Carlo Petrini in China vor 400 Delegierten in Vertretung des internationalen Slow-Food-Netzwerkes und Terra Madre aus 90 Ländern. „Für Slow Food ist es quasi Pflicht, sich mit dem Klimawandel zu beschäftigen: Es gibt keine Lebensmittelqualität und kein gutes Essen ohne den Schutz der Umwelt, der Ressourcen und der Arbeit!“

 

Bereits in der Vergangenheit hatte Slowfood auf die Konsumfolgen hingewiesen und hatte mit Angriffen gegen ALDI Werbung von sich reden gemacht, wie FOODWELT berichtet hatte. Auch gegen das Handelsabkommen TTIP hatte Slow Food demonstriert, so FOODWELT.

Menu for Change – mit Genuss und Verantwortung

 

Die erste internationale Kommunikations- und Spendenkampagne der Bewegung setzt Klimawandel und Ernährung in Beziehung zueinander.

Die landwirtschaftlichen Emissionen aus der Pflanzen- und Tierproduktion gehören zu den Hauptquellen der Treibhausgasemissionen wie Kohlendioxid (CO2), Methan (CH4) und Distickstoffmonoxid (N2O): Alleine der Agrarsektor ist für 21% (FAO, 2015) der globalen Gesamtemissionen verantwortlich.

Demgegenüber verursacht die Energiebranche 37%, der Verkehr 14% und die Industrie 11%.

Das industrielle Lebensmittelproduktionssystem ist einer der Hauptverursacher für die Erderwärmung, während zu ihren Opfern in erster Linie die bäuerliche Landwirtschaft und die handwerkliche Fischerei zählen. Harvey, Irma, verheerende Trockenperioden, Überschwemmungen, verfrühte Weinlesen, Ernterückgänge und -ausfälle sowie der zunehmende Verlust an Boden, die Versauerung der Meere und die Erhöhung des Meeresspiegels – das sind nur einige Szenarien des Klimawandels, die drohen, in immer mehr Weltregionen zur Normalität zu werden und in immer kürzeren Zeitabständen wiederzukehren. Die Ursachen liegen in unserem menschlichen Tun bzw. Nicht-Tun begründet.

Teil der neuen Kampagne

Teil der neuen Kampagne

Die Folgen des Klimawandels treffen benachteiligte Weltregionen besonders stark. „Obwohl etwa die afrikanischen Länder zu den geringeren Treibhausgaserzeugern zählen, spüren die Menschen hier die Erderwärmung besonders deutlich.

Extrem veränderte Wetterlagen schaden Bauern, Hirten und indigenen Gemeinschaften und gefährden ihre Ernährungssicherheit. Das zwingt Menschen zur Flucht und Migration,“ erklärt John Kariuki, Vizepräsident der Slow Food Stiftung für biologische Vielfalt.

„Durch die Förderung der Agrarökologie, den Schutz der biologischen Vielfalt sowie die Unterstützung von Erzeugern vor Ort setzt Slow Food sich in Afrika und in aller Welt aktiv dafür ein, Maßnahmen der Kompensation und der Anpassung an den Klimawandel voranzutreiben,“ so Kariuki.

Slow Food möchte mit der Kampagne zeigen, was jeder Verbraucher Tag täglich tun kann und sollte, um ausgehend vom Essen etwas zu bewegen. Angefangen beim Transportmittel, um Lebensmittel aus der Region zu erwerben.

Soweit wie möglich sollten Verbraucher das Auto stehen lassen und stattdessen mit dem Fahrrad einkaufen, alternativ öffentliche Verkehrsmittel nutzen. Der bereits angestoßene Abschied von der Plastikeinkaufstüte sollte weiter unterstützt und die Lebensmittel im Stoffbeutel verstaut werden. Die Menge an Verpackungsmüll, vor allem Plastik, bei Lebensmitteln muss deutlich reduziert werden. Dafür kann lose Ware gekauft werden. Mit der Ressource Wasser gilt es grundsätzlich schonend umzugehen, sei es aus der Flasche oder aus dem Hahn. Und beim Lebensmittel selbst: Hier ist das knubbelige Obst und Gemüse die charmantere und manchmal sogar geschmackvollere Alternative.

Der Verein zu FOODWELT:

 

„Lebensmittelverschwendung sollte gänzlich vermieden werden. Dafür gilt es vor dem Einkauf genau zu überlegen, was in welchen Mengen nötig ist. Das Mindesthaltbarkeitsdatum? Dies ist nur ein Richtwert, oft sind Lebensmittel noch weit darüber hinaus gut und schmackhaft. Verbraucher müssen anfangen in Kreisläufen zu denken: Wie können Ressourcen oder Produkte wieder- und weiterverwertet werden, statt zu früh auf dem Müllberg zu landen? Auch der Kauf saisonaler Erzeugnisse aus der Region sowie aus Bioanbau ist eine Entscheidung für das Klima. Bio-Produkte aus der Region verursachen meist geringere Treibhausgasemissionen als vergleichbare konventionelle Produkte. Der Genuss von tierischen Produkten sollte auf wenige Male pro Woche reduziert werden und Fleisch aus bodengebundener Weidehaltung stammen. Die Vorzüge und die Vielfalt fleischloser Alternativgerichte müssen populärer werden.“

Permanentlink zu diesem Beitrag: http://www.food-welt.de/slow-food-startet-internationale-kampagne-zu-klimawandel-und-ernaehrung/

Zur Werkzeugleiste springen